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Steinbock-Auswilderung im Floitengrund

Der aufregendste Tag für fünf Steinböcke

3-2-1-GO - das war am 16. Juli das Signal auf rund 2.300 m im Floitental! Das Signal für fünf Steinböcke und -geißen, um kurz oberhalb der Greizer Hütte ihren Weg in die Freiheit anzutreten. Bei der letzten Auswilderung im Rahmen des aktuellen Steinbock-Projekts waren rund 80 Interessierte der Einladung des Naturparks und seiner Projektpartner gefolgt. Am weitesten war dieser Weg für zwei Steinböcke aus Nürnberg, die bereits am Vortag angereist sind. Vom Naturparkhaus ging es zuerst per Transporter ins Floitental, dann mit der Materialseilbahn luftig hinauf zur Schutzhütte und schlussendlich zu Fuß zum Auswilderungsplatz. Diese Etappe hat den 25 starken Trägern so einiges abverlangt... Nach einer Begrüßung durch Naturpark-Geschäftsführer Willi Seifert und Alpenzoo-Direktor André Stadler bildeten die Besucher einen Trichter um die Tiere und warteten gespannt, bis sich die Boxen der Geißen Luisa und Tuxi sowie der Böcke Moritz, Karl und Romeo öffneten. Aber: Es passierte nichts. Beherzt packten die Tierpfleger und Paten die Tiere an den Hörnern und jetzt starteten sie mit beherzten Sprüngen Richtung Hochgebirge. Zwei Böcke lieferten sich auch noch ein kurzes Kämpfchen und testeten ihre Hörner. Und bald waren sie hinter der Kuppe verschwunden und konnten in Ruhe die Blicke in ihre neue Heimat schweifen lassen.

Das Steinwild im Floitengrund - eine lange Tradition

Das Zillertal und der Steinbock haben eine bemerkenswerte gemeinsame Geschichte, unter anderem lag die älteste urkundlich belegte Steinbockjagd (1383) der Ostalpen in der Floite und der Gunggl! Allein in der Floite gab es 1694 noch mehr als 200 Stück Steinwild. Der Wert der Steinböcke rief auch Wilderer auf den Plan und es entbrannten heftige Konflikte zwischen Jagdhütern und Wilderern. Diese spitzten sich derart zu, dass sich der Fürstbischof gezwungen sah, das Steinwild im Zillertal auszurotten. Vergleichbare Schicksale gab es auch in vielen anderen Regionen. Nur im Gran Paradiso im Grenzgebiet zwischen Italien und der Schweiz überlebt eine letzte Kolonie. Diese etwa 70 bis 100 Tiere waren die Basis für das erfolgreichste Wiederansiedlungsprojekt im Alpenraum! Am Anfang spielten dabei sogar Wildschmuggler eine große Rolle, die Tiere in die Zoos Peter und Paul in die Schweiz entführten. Den Auswilderungen am Anfang des 20. Jhs. ist es zu dann verdanken, dass Steinwild heute wieder in vielen Alpenregionen heimisch ist, darunter auch die Zillertaler Alpen. Insgesamt wird der Bestand in der Naturparkregion aktuell auf rund 100 Stück geschätzt.

Zurück zu den Ursprüngen

„Mit dem Projekt wollen wir den Bestand in einem traditionell bedeutsamen Steinwildgebiet der Ostalpen stützen und Informationen zu ihrem Raumverhalten sammeln“, berichtet Willi Seifert über die Motive des Engagements. Christoph Egger (ÖBf-Revierleiter „Hinteres Zillertal“) ergänzt: Dabei war es uns wichtig, die Tiere direkt in ihrem Lebensraum auszuwildern, der sich von 2.500 m Seehöhe aufwärts erstreckt. Und stellvertretend für die beiden Zoos freut sich André Stadler, neben der Umweltbildung im Zoo mit dieser Initiative auch einen praktischen Beitrag zum Artenschutz zu leisten.

Das Projekt wird zum einen durch den Zillertaler Talschaftsvertrag gefördert. Daneben unterstützen Zillertal Bier, die Sparkasse Schwaz, die Mayrhofner Bergbahnen und die Hintertuxer Gletscherbahnen das Vorhaben finanziell.

 
 
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