"Der Weg der Wölfe" - Naturpark-Fachvortrag vom Wildbiologen Peter Sürth - Samstag, 18. September um 19:30 Uhr - Aula VS Finkenberg

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Die Geschichte der Naturparkregion
Tausend Jahre Besiedlung und Kultur

Die Geschichte der Region hat viele interessante Facetten, von der Besiedlung über religiöse Konflikte, Schmuggeln und Wildern bis zu den Anfängen des Alpinismus.

Die Besiedlung – von Norden und von Süden!
Die ersten menschlichen Spuren datiert man auf 8.000-7.000 v.Chr., damals durchstreiften Jäger und Sammler das Zillertal über die Jöcher. Die Besiedlung erfolgte, wegen dem Abschmelzen der Gletschermassen und dem versumpften Talboden, im Vergleich zu anderen Teilen Tirols relativ spät.
Erste Besiedlungen des äußeren Zillertals erfolgten in der Bronzezeit von 1.200 bis 800 v.Chr. Die nächstgrößeren Schübe erfolgten  von Norden; zum Einen durch die Römer ab 15 v.Chr. und zum Anderen durch die deutschsprachigen Bajuwaren ab 560 n.Chr.. Dies ist durch viele Hof-, Flur- und Ortsnamen eindeutig belegt. Erstmals urkundlich erwähnt wird das Zillertal Ende des 9.Jhds., nach einer Schenkung des ostfränkischen Königs Arnulf an die Salzburger Erzbischöfe. 
Die Besiedlung des hinteren Zillertals erfolgte dagegen vom heutigen Südtirol aus dem Pfitscher- und Ahrntal, daher findet man im hinteren Zillertal viele Südtiroler Nachnamen. Bauern trieben damals in den Sommermonaten ihr Vieh über die vielen Jöcher nach Norden. Diese Beziehung besteht auch heute noch, auf vielen Almen etwa im Ziller- und Zamsergrund befindet sich Vieh Südtiroler Bauern.
  
Die Zillertaler Protestanten – verstreut in der ganzen Welt
Gerade in den Naturparkgemeinden Brandberg, Finkenberg und Mayrhofen hielten trotz harter Strafmaßnahmen der Tiroler Landesherren viele am lutherischen Glauben fest. Und das, obwohl man ihnen die Ausübung ihrer Religion verweigerte und das tägliche Leben erschwerte. Nach langem Kampf beschlossen 1837 knapp 450 Zillertaler Protestanten, nach Schlesien auszuwandern. Dort ließ der Preußische König eine eigene Siedlung im Tiroler Stil für sie errichten. Einige kehrten aus Heimweh wieder in die Alpen zurück, andere wanderten nach Chile aus, wo sie auch auf viele deutsche Siedler trafen. Die neue Heimat Schlesien mussten die Auswanderer 1945 vor den anrückenden russischen Truppen räumen und wurden in alle Welt zerstreut.

Die Anfänge des Bergsteigens

Das Zillertal ist eines der „Geburtstäler“ des alpinen Bergsteigens. Etwa Mitte des 19.Jhds. begann die Phase der Erstbesteigungen in den Zillertaler Alpen, in der Anfangsphase zumeist mit einheimischen Bergführern. V.a. Deutsche und Engländer eroberten mit ihren Zillertaler Führen Gipfel um Gipfel. Die Gründung der Alpenvereins-Sektionen und der Bau von Schutzhütten gaben dem Bergsteigen weitere Entwicklungsschübe, den Anfang machte 1879 die Berliner Hütte. Die Wiege des Alpintourismus liegt im Bergsteigerdorf Ginzling, aus dem damals auch die meisten Bergführer kamen. Heute kaum vorstellbar, dass in dem 400-Einwohner-Dorf der Alpintourismus im Zillertal seinen Anfang genommen hat.
Parallel dazu wuchs eine neue Generation heran, die das führerlose Bergsteigen praktizierte. Symbolfiguren dieser Bewegung waren und sind die Wiener Brüder Emil und Otto Zsigmondy mit der Erstbesteigung des Feldkopfs, dem Zillertaler Matterhorn, das lange Zeit als unbezwingbar galt.
Heute ist das Zillertal wegen seines guten Netzes alpiner Unterkünfte sowie seiner unzähligen Wanderwege bei Wanderern und Bergsteigern ein beliebtes Tourenziel.

Das Zillertal – ein Tal mit Bergbautradition

Was die Zillertaler seit Jahrhunderten aus ihren Bergen holen, ist beachtlich. Manche Flurnamen berichten heute von den Abbauen: Bleiarz Kar in der Floite, Silberkarl im Wildgerlostal oder „die Öfen“ im oberen Pfitschtal. Besonders prägend für das Tal waren die drei „großen“ Bergbaue: Gold, Granat und Magnesit.
Der älteste Fund ist eine Abbaustelle aus der Jungsteinzeit, aus Bergkristallen wurden Pfeilspitzen für die Jagd hergestellt. Später interessierte man sich mehr für Metalle. Um 1500 sind im Zillertal bereits 80 „Bergwerksverleihungen“ dokumentiert. Es wurden vor allem Kupfer und andere Erze gewonnen, wie etwa Blei unterhalb der Ahornspitze oder Silber im Zillergrund. Weiters wurde Asbest abgebaut, etwa am Ochsner im Zemmgrund oder Pyrit im Bereich Pfitscher Joch.
Im größeren Maßstab wurde der Bergbau ein Jahrhundert später in Hainzenberg betrieben. Dort fand man ergiebige Goldadern, die zwischen 1619 und 1870 abgebaut wurden. In seiner Blütezeit um 1800 waren dort 100 Arbeiter beschäftigt. Heute erinnert das „Goldschaubergwerk“ an diese Zeit.
Ein weiterer Bergbau im Zillertal hört sich wesentlich kurioser an: 1747 begann am Rossrücken oberhalb der Berliner Hütte, auf 2.700 m der Abbau von „Büchsensteinen“, also Feuersteinen für Gewehre. Schon kurze Zeit später stellte sich heraus, dass sich die rot leuchtenden Granate viel gewinnbringender als Schmucksteine verkaufen ließen. Bis zu 40 Mann waren in diesem hochalpinen Bergbau beschäftigt: der Granatglimmerschiefer wurde aus dem Fels herausgeschlagen, mit Schlitten über den Gletscher zur Granatmühle transportiert, gesäubert, getrommelt und nach Mayrhofen getragen. Von dort wurde er zur weiteren Bearbeitung vor allem nach Böhmen transportiert, wo er als „Böhmischer Granat“ gehandelt wurde.
Der jüngste Bergwerksbetrieb des Zillertales war mit dem Magnesitwerk von 1921 bis 1976 in Tux in Betrieb. Magnesit wird zur Auskleidung von Hochöfen verwendet oder mit Holzwolle vermischt zu Baustoffplatten (Heraklith-Platten) gepresst. Nach dem Krieg wurde auch das Wolframerz „Scheelit“ abgebaut, das als Glühfäden in Glühbirnen weite Verbreitung fand.

Geschichten, Sagen, Legenden – über Schmuggler und Wilderer

Nach dem 1.Weltkrieg waren Nord- und Südtirol plötzlich durch eine Grenze getrennt – zwei Staaten, die immer zusammengehörten.  Lange betriebener Warenaustausch war nicht mehr möglich, Zollhäuser wurden errichtet und Finanzer überwachten den „Grenzverkehr“ streng. Geschmuggelt wurde viel: Salz, Zucker, Tabak, Autoreifen, Fahrräder. Die Schmuggler bevorzugten dabei die wenig begangenen Jöcher  wie die Hundskehle und die Sunder – beide Seitentäler des Zillergrunds - sowie das Pfitscher Joch. Viele Geschichten ranken sich um das Schmuggeln, das nach dem 2. Weltkrieg nochmals zunahm. So soll der GH Rosshag hinter Ginzling einer ihrer Treffpunkte gewesen sein, während sie dort gegessen haben, haben die hübschen Töchter des Hauses die Finanzer in der Gaststube bei Laune gehalten.
Mindestens ebenso viele Erzählungen ranken sich um Wilderer. Wie bei den Schmugglern war oft die Not und Armut der Leute der Antrieb zum Wildern. Neben bekannten Wilderern wie etwa dem „Diggl Wilhelm“ aus Ginzling ist die „Floitenschlagstaude“ vielen Zillertalern ein Begriff. Im 19. Jhd. lebte sie auf dem Floitenschlag oberhalb von Ginzling mit ihren vielen Kindern und Tieren und führte ein kärgliches Leben. Dem damaligen Jagdleiter war sie ein Dorn im Auge – denn zur Sicherung des Lebensunterhalts hat sie v.a. Gämsen gewildert. Oft ist sie deswegen mit der Polizei und dem Gericht in Konflikt gekommen – einmal wurde sie sogar zu einem halben Jahr „Kerker mit Fastentagen“ verurteilt worden.