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Steinbockauswilderung 2018

Vom Zoo ins wilde Hochgebirge

Auf knapp 2.100 m Seehöhe fand am 26. Juni 2018 wenige Gehminuten oberhalb der Berliner Hütte die dritte Steinbock-Auswilderung im Hochgebirgs-Naturpark statt. Rund 100 Interessierte, darunter 50 Schüler und Lehrer der NMS Hippach waren bei der Auswilderung dabei und begleiteten die Steinböcke auf ihren ersten Schritten ins Hochgebirge.

In den letzten drei Jahren wurden insgesamt 17 Steinböcke im Naturpark ausgewildert. Dies stärkt die heimische Population, die auf rund 90-100 Steinböcke geschätzt wird. „Durch die Auswilderung leisten der Alpenzoo Innsbruck und der Tierpark Nürnberg einen Beitrag zur Auffrischung der genetischen Vielfalt der Steinbock-Population in den Zillertaler Alpen.“ freuen sich unisono Alpenzoo-Direktor André Stadler und Helmut Mägdefrau, Vize-Direktor des Tiergartens Nürnberg. „Sehr erfreulich ist, dass sich die in den letzten Jahren ausgewilderten Tiere sehr rasch der heimischen Steinwild-Population angeschlossen haben“, ergänzt Naturpark-GF Willi Seifert.

Gut vorbereitet
Die Zoos legen grundsätzlich großen Wert auf eine art- und lebensraumgerechte Haltung und setzen dabei auf eine felsige Gehegegestaltung und karges Futter. Schon viele Wochen vor der Auswilderung beginnen die Vorbereitungen in den Zoos mit der tierärztlichen Kontrolle. „Bei den fünf Stück Steinwild handelt es sich ausschließlich um ein- und zweijährige Jungtiere, da sich ältere Tiere nicht mehr in ausreichendem Maß vom „Zooalltag“ auf das Leben in Freiheit umstellen können“, erklärt Mägdefrau. Die Mitarbeiter der Zoos begleiten die Tiere bis zur Freilassung vor Ort. Der Weg in die Freiheit war am weitesten für Franzl, Lisa und Rosi aus dem Tiergarten Nürnberg. Sie sind schon am Vorabend nach Ginzling angereist. Dagegen wurden der Steinbock Ruap und die Geiß Giulia in aller Früh vom Alpenzoo Innsbruck bis in den Zemmgrund zur Materialseilbahn transportiert. Von dort ging es mit der Seilbahn bis zur Berliner Hütte und weiter zu Fuß und mit Hilfe von starken Trägern bis zum Auswilderungsplatz oberhalb der Berliner Hütte. „Wir engagieren uns seit vielen Jahren bei Steinbock-Auswilderungen, die Freilassungen im hinteren Zillertal sind eine Herzenssache für uns, da dieses Gebiet für die Geschichte des Alpensteinbocks steht“, berichtet Stadler.

Die fleißigen Träger auf den letzten Metern bis zum Auswilderungsplatz (© Klaus Widkal)

Steinbock-Monitoring
Mit der dritten Freilassung wird das Steinbock-Projekt fortgesetzt, das 2016 begonnen wurde und noch bis 2020 läuft. Dieses Jahr wurden zwei Tiere mit einem GPS-Sender ausgestattet, um ihre jahreszeitlichen Wanderungen zu dokumentieren. „Damit sollen in den nächsten Jahren wertvolle Informationen zum Raumverhalten der Steinböcke in den Zillertaler Alpen gesammelt werden“, berichtet Seifert. „Ruap und Rosi wurden mit Sendern bestückt, die alle drei Stunden GPS-Daten registrieren. „Die Daten werden von einem unserer Wildbiologen gesammelt, kontrolliert und ausgewertet. Damit wissen wir immer, wo die Tiere gerade unterwegs sind. Die Halsbänder haben einen Baumwollstreifen, der sich nach spätestens drei Jahren zersetzt hat, dann fallen die Halsbänder von selbst ab“, erklärt Christoph Egger von den Österreichischen Bundesforsten.

Alpenzoo-Direktor André Stadler (vorne rechts) und Mitarbeiter aus dem Tiergarten Nürnberg tragen die Steingreiß Lisa zum Auswilderungsplatz (© Tiergarten Nürnberg)

Zwei Überraschungen
Bei dieser Auswilderung wurden zwei Namenspaten vom Projektteam überrascht. So freuten sich die Schüler der NMS-Hippach sehr, als sie am Vorabend der Aktion erfuhren, dass sie im Rahmen ihrer Gletschererlebnistage im Zemmgrund zur Auswilderung eingeladen werden und den Namen für eine Steingeiß auswählen dürfen. Einstimmiges Ergebnis der Abstimmung war Rosi. Ein weiterer Namenspate ist die Berliner Hütte. Hüttenwirt Rupert Bürgler freute sich sichtlich, als er am Tag der Auswilderung erfuhr, dass der besenderte Bock nach ihm benannt ist. Das Hüttenteam und Jagdpächter Hans-Peter Pendl können ihren Ruap wahrscheinlich immer wieder einmal in der Bergwelt oberhalb der Berliner Hütte beobachten.

Dank an die Projektpartner
Das Steinbock-Projekt ist eine gemeinsame Initiative des Hochgebirgs-Naturparks Zillertaler Alpen und der Österreichischen Bundesforste. Sie arbeiten dabei eng mit dem Alpenzoo Innsbruck und dem Tiergarten Nürnberg zusammen und werden vom Zillertaler Talschaftsvertrag sowie den Mayrhofner Bergbahnen, den Hintertuxer Gletscherbahnen , Zillertal Bier und der Sparkasse Schwaz finanziell unterstützt. „Für die großartige Unterstützung bei der Auswilderung und den reibungslosen Ablauf bedanken wir uns ganz herzlich bei allen Partnern, insbesondere bei den beiden Zoos, Christoph Egger, Hans-Peter Pendl, Rupert Bürgler und allen fleißigen Helfern, fasst Seifert zusammen!

Die ersten Felsen im Freien warten auf Giulia, Rosi, Lisa, Franzl und Ruap …
(© Klaus Widkal)

 

 
 
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